Apnoetauchen

Kolumne

Ich habe schon immer gerne geträumt – Am liebsten, dass ich fliege.
Und was mache ich im Traum in der Luft? Ich schwimme!

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Das Faszinierende an Apnoetauchen

Ich habe schon immer gerne geträumt – Am liebsten, dass ich fliege.
Und was mache ich im Traum in der Luft? Ich schwimme! Ich Springe ab, mache einen Armschlag und lasse mich gleiten, an Vögeln vorbei, über Häuser, Berge, nach oben in die Sterne.

Ich fühle mich frei und bin mein eigener Superheld.

Als Kind stand ich vor dem Spiegel und habe so getan, als würde ich gleich abheben und losfliegen. Auch heute noch will ich meinen Traum in die Realität holen. Und mit Apnoe habe ich ihn gefunden. Apnoetauchen bedeutet, sich ohne Hilfsmittel wie einer Sauerstoffflasche unter Wasser zu bewegen. Dazu muss man eigentlich nur lange genug die Luft anhalten. Diese Freiheit und Schwerelosigkeit – das Gefühl in den „Lüften“ zu schweben gibt mir das Tauchen. Unendliche Weiten, einmal Abspringen, dann durch den Raum gleiten, an Fischen vorbei, über Ruinen und Unterwasserschätzen, versunkenen Segelbooten, riesigen Unterwasserlandschaften, das ist genau das Gefühl was ich gesucht habe.

Andererseits kann ich auch einfach nur in der Tiefe verharren, die Ruhe genießen und sehen wie sich die Welt um mich herum entfaltet. Verwunderte und neugierige Meeresbewohner kommen aus ihren Höhlen, das wilde Tosen der Wellen weit entfernt, und der Puls verringert sich. Eine tiefe innere Stille stellt sich ein. Die Welt und Ich sind in vollkommener Harmonie. Ich bin in Frieden.

Und dann kommt der Atemreiz…

Übers Lange Luft Anhalten

Wenn du beim Apnoetauchen nach oben schwimmst, in dem Wissen, dass über dir noch 20 oder 25m Wasser sind, dann wirst du dir dessen bewusst, welche Konsequenzen ein falscher Schritt unter Wasser haben kann. Für mich bedeutet Apnoe ein unglaublich großes Vertrauen in die eigenen körperlichen Fähigkeiten zu besitzen. Es ist das Fallen-lassen bzw. das Vertrauen in diese Macht der Wassermassen und dabei zu wissen, dass du da auch wieder rauskommst.

 Und darauf musst du vorbereitet sein.

Oder wie ich in einer Doku einmal gehört habe: „Im Training stirbst du 1000 Tode, damit du im Ernstfall leben kannst.“ Das Training ist hart, bringt mich regelmäßig an meine Grenzen. Es macht aber auch unglaublichen Spaß. Die Fortschritte darin zu sehen, erfüllt mich mit Stolz.
Wo ich am Anfang bei 1 Minute noch Panik hatte, nehme ich heute einen tiefen Atemzug, gehe unter Wasser und habe schlichtweg für 2 bis 3 Minuten überhaupt keinen Bedarf danach, zu atmen.
Und selbst dann, wenn mein Körper eine weitere Minute rebelliert, das Zwerchfell zuckt, um Luft einzuatmen, bleibe ich entspannt und habe gelernt zu unterscheiden, was Reflex und was wirklicher Lebensbedarf ist. Tatsächlich kann ich dieses innere Zucken und Gefühl der Atemnot ohne weiteres 90 Sekunden aushalten.

 Ich bin noch lange nicht an meinem Ziel. Ehrlich gesagt, weiß ich gar nicht genau, was mein Ziel ist. Aber so einen gewissen Hang die eigenen Grenzen auszutesten, hatte ich schon immer und ich weiß: Da ist noch viel Luft nach oben.

Warum ich das Tauchen so gut finde

Beim Apnoetauchen zeigt sich der Zusammenhang zwischen Körper und Geist wie in kaum einer anderen Sportart. Nur bei kompletter mentaler Ruhe, innerer Ausgeglichenheit und emotionaler Zufriedenheit, kann ich hier Leistung vollbringen. Und diese Einsicht nehme ich mit an die Oberfläche. Viele Tätigkeiten im Alltag sind nun von einer Ruhe geprägt, die ich vorher nicht kannte. Tauchen macht mich ausgeglichener und entspannter. Es gibt mir die Zentrierung, die ich in einer hektischen Welt brauche. Apnoetauchen lässt mich ruhiger Atmen, effizienter Energie verbrennen, mehr aus dem eingeatmeten Sauerstoff herausholen und vieles mehr.

Tauchen schenkt Vertrauen

Tauchen lehrt mich Vertrauen. Niemand taucht allein. Jeder, der taucht, muss sich 100% auf seinen Partner verlassen, denn er legt sein Leben in dessen Hände.
Wir trainieren, atmen, entspannen und genießen zusammen die faszinierende Welt des Wassers. Ich bin unglaublich dankbar für seine Unterstützung, denn ohne die rettende Hand wäre ich heute vielleicht gar nicht mehr da.

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